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Was ist ROAS? Berechnung, Grenzen und der richtige Umgang
ROAS einfach erklärt: Formel, Rechenbeispiel, Break-even-ROAS aus der Marge – und die Grenzen der Kennzahl, damit du sie nutzt, statt ihr aufzusitzen.
Von Denys Lichtenstein Bei Google bevorzugen

Der ROAS (Return on Ad Spend) misst, wie viel Umsatz du für jeden ausgegebenen Werbe-Euro zurückbekommst. Berechnet wird er als Umsatz geteilt durch Werbespend – typischerweise je Kanal, Kampagne oder einzelner Anzeige. Ein ROAS von 4 bedeutet also: vier Euro zugeschriebener Umsatz für einen Euro Spend. So weit, so einfach – und genau diese Einfachheit macht die Kennzahl tückisch. Denn der ROAS wird häufig als etwas gelesen, das er nicht ist: als Maß für Gewinn oder für den tatsächlichen Beitrag der Werbung. Dieser Artikel erklärt, wie du den ROAS berechnest, warum es den einen guten ROAS nicht gibt, wo die Grenzen liegen – und wofür die Kennzahl trotzdem nützlich ist.
Definition und Formel
Die Formel ist denkbar kurz:
ROAS = Umsatz ÷ Werbespend
Ein illustratives Rechenbeispiel mit bewusst runden Zahlen: Eine Kampagne gibt in einem Monat 2.500 € Werbespend aus und es werden ihr 10.000 € Umsatz zugeschrieben. Der ROAS liegt dann bei 4 – jeder eingesetzte Euro hat vier Euro Umsatz zurückgebracht. (Alle Zahlen sind erfundene Beispielwerte, keine Benchmarks.)
Manche Tools weisen den ROAS als Prozentwert aus. Ein ROAS von 4 entspricht dann 400 % – die Aussage ist identisch, nur die Schreibweise unterscheidet sich. Wichtig ist in beiden Fällen: Der ROAS ist eine Verhältniszahl auf Umsatzbasis. Er sagt nichts darüber, was von diesem Umsatz nach Produkt-, Versand- und sonstigen Kosten übrig bleibt.
Bevor du mit der Kennzahl arbeitest, lohnt ein Blick auf die Basis: Welcher Umsatz steht im Zähler – brutto oder netto, vor oder nach Retouren, aus dem Ads Manager oder aus dem Shop-Backend? Jede dieser Entscheidungen verschiebt das Ergebnis. Es gibt kein universell richtiges Vorgehen, aber eine verbindliche Regel: einmal festlegen und dann konsistent halten. Ein ROAS, dessen Berechnungsbasis wechselt, taugt nicht zur Steuerung.
Plattform-ROAS vs. echter ROAS
Der ROAS, den dir ein Ads Manager anzeigt, ist genau genommen ein Plattform-ROAS: Er teilt den Umsatz, den die Plattform sich selbst zuschreibt, durch den Spend auf dieser Plattform. Die Schwachstelle steckt im ersten Teil. Welche Conversions eine Plattform für sich reklamiert, bestimmt das Attributionsfenster – und diese Zuschreibung fällt tendenziell großzügig aus. Sieht ein Nutzer eine Anzeige, klickt sie an und kauft, obwohl er ohnehin gekauft hätte, verbucht die Plattform den vollen Umsatz als ihren Erfolg. Läuft parallel Werbung auf mehreren Kanälen, reklamiert oft jeder Kanal dieselbe Bestellung für sich.
Das Ergebnis: Die Summe der selbstberichteten Plattform-Umsätze liegt häufig über deinem tatsächlichen Shop-Umsatz. Der Plattform-ROAS misst also in erster Linie, wie gut eine Plattform darin ist, sich Umsatz zuzuschreiben – nicht zwingend, wie viel Umsatz sie zusätzlich erzeugt hat. Ein einfacher Realitätscheck ist der Abgleich mit dem Shop-Backend: Wie verhält sich der zugeschriebene Umsatz aller Kanäle zum echten Gesamtumsatz? Warum diese Lücke unter automatisierten Kampagnen eher wächst und wie eine robustere Messung aussieht, vertiefen wir im Artikel MER statt ROAS.
Warum es DEN guten ROAS nicht gibt
Die häufigste Frage zum ROAS lautet: Welcher Wert ist gut? Die ehrliche Antwort: Das lässt sich ohne Blick auf deine Marge nicht sagen. Ob ein ROAS profitabel ist, entscheidet dein Deckungsbeitrag – also das, was vom Umsatz nach Abzug der variablen Kosten übrig bleibt.
Ein Beispiel mit fiktiven Zahlen macht das greifbar. Zwei Shops erzielen beide einen ROAS von 3, geben also je 100 € Spend aus und bekommen 300 € Umsatz zugeschrieben:
Shop A hat eine Deckungsbeitragsquote von 50 %. Von 300 € Umsatz bleiben 150 € Deckungsbeitrag. Nach Abzug der 100 € Werbekosten stehen +50 € – die Kampagne verdient Geld.
Shop B hat eine Deckungsbeitragsquote von 20 %. Von 300 € Umsatz bleiben nur 60 € Deckungsbeitrag. Nach Abzug der 100 € Werbekosten stehen −40 € – dieselbe Kennzahl, aber jede Bestellung vergrößert den Verlust.
Gleicher ROAS, komplett gegensätzliches Geschäftsergebnis. Deshalb sind ROAS-Benchmarks aus anderen Unternehmen oder Branchen praktisch wertlos: Sie kennen deine Marge nicht.
Den Break-even-ROAS herleiten
Statt auf fremde Benchmarks zu schielen, leitest du deine eigene Schwelle her. Der Break-even-ROAS ist der Punkt, an dem eine Kampagne weder Geld verdient noch verbrennt:
Break-even-ROAS = 100 ÷ Deckungsbeitragsquote in %
Ein Beispiel: Bei einer Deckungsbeitragsquote von 40 % liegt der Break-even-ROAS bei 100 ÷ 40 = 2,5. Jeder Euro Spend braucht dann 2,50 € Umsatz, nur um sich selbst zu decken. Erst oberhalb dieser Schwelle entsteht Gewinn – dein Ziel-ROAS sollte also mit Abstand darüber liegen, damit auch etwas hängen bleibt. (Auch hier gilt: Beispielrechnung mit runden Zahlen, deine Quote kann anders aussehen.)
Achte bei der Herleitung darauf, die Deckungsbeitragsquote ehrlich zu rechnen: Retouren, Zahlungsgebühren, Versand und Rabatte drücken sie oft stärker, als das Bauchgefühl vermutet. Eine zu optimistische Quote produziert einen zu niedrigen Break-even-ROAS – und damit Kampagnen, die auf dem Papier profitabel wirken und in der GuV Geld verlieren.
Wie so ein Ziel in der Praxis aussieht, zeigen wir an unserer eigenen Marke: Bei SASSYCLASSY steuern wir auf einen ROAS über 4 – gemessen auf dem bewusst strengen 1-Day-Click-Fenster, das nur Käufe innerhalb eines Tages nach Klick zählt. Das ist kein Benchmark für dein Geschäft, sondern ein Beispiel dafür, wie ein aus der Marge abgeleitetes Ziel mit einem konservativen Messfenster kombiniert wird, damit die Zahl belastbar bleibt.
Die Grenzen des ROAS
Selbst ein sauber gemessener ROAS hat blinde Flecken, die du kennen solltest:
Er unterscheidet nicht zwischen Neukunden und Bestandskunden. Ein Euro Umsatz von einem treuen Stammkunden zählt genauso viel wie ein Euro von einem mühsam gewonnenen Neukunden. Für das Wachstum deines Geschäfts sind beide aber nicht gleich viel wert – der ROAS verschweigt diesen Unterschied.
Er sagt nichts über Inkrementalität. Die entscheidende Frage lautet: Wäre dieser Umsatz auch ohne die Anzeige entstanden? Der ROAS beantwortet sie nicht, denn er zählt zugeschriebenen Umsatz, nicht zusätzlichen.
Er belohnt Retargeting-Kannibalisierung. Kampagnen, die ohnehin kaufbereite Nutzer kurz vor dem Kauf noch einmal ansprechen, produzieren glänzende ROAS-Werte – schreiben sich dabei aber Umsatz zu, der zu großen Teilen sowieso gekommen wäre. Wer Budget rein nach ROAS verteilt, schiebt es systematisch in diese Kannibalisierung statt in echtes Neugeschäft.
Er lässt sich durch Budget-Verschiebung schönen. Verlagerst du Spend von der Neukundengewinnung in den unteren Funnel, steigt der ausgewiesene ROAS fast automatisch – während dein Geschäft langfristig schrumpft, weil oben niemand mehr nachkommt.
Wofür der ROAS trotzdem nützlich ist
Nach all den Einschränkungen die gute Nachricht: Richtig eingesetzt bleibt der ROAS ein brauchbares Werkzeug. Seine Stärke liegt in Vergleichen innerhalb eines Kanals. Zwei Kampagnen im selben Konto, zwei Creatives im selben Ad Set oder die Entwicklung derselben Kampagne über die Zeit – hier gilt für alle Werte dieselbe Attributionslogik, und die Verzerrung kürzt sich weitgehend heraus. Für solche relativen Entscheidungen – welches Creative skalieren, welche Kampagne pausieren – ist der ROAS schnell verfügbar und völlig ausreichend.
Zwei Bedingungen sollten dabei erfüllt sein: Erstens vergleichst du nur Werte mit demselben Attributionsfenster – ein 7-Tage-Klick-ROAS neben einem 1-Tage-Klick-ROAS ist kein fairer Vergleich. Zweitens gibst du den Zahlen Zeit: Direkt nach dem Start einer Kampagne schwankt der ROAS stark, weil Conversions verzögert eintrudeln und das System noch lernt. Wer zu früh ablesen will, optimiert auf Rauschen.
Problematisch wird er erst als absolute Erfolgszahl oder als Vergleich zwischen Plattformen mit unterschiedlicher Attributionslogik. Dafür braucht es eine Ebene darüber: den MER, der den gesamten Umsatz ins Verhältnis zum gesamten Werbespend setzt und sich von Attributions-Spielchen nicht beeindrucken lässt. Wie diese Gesamtsicht funktioniert und wie du dein Ziel herleitest, erklären wir im Schwester-Artikel Was ist der MER?
Fazit
Der ROAS ist eine einfache, schnelle Verhältniszahl: Umsatz geteilt durch Werbespend. Nützlich ist er für Vergleiche innerhalb eines Kanals – gefährlich wird er, wenn du ihn als Gewinn-Maß oder als kanalübergreifende Wahrheit liest. Merke dir drei Dinge: Der Plattform-ROAS misst Zuschreibung, nicht Wirkung. Ob ein ROAS gut ist, entscheidet deine Deckungsbeitragsquote, nicht ein Benchmark. Und ohne den Blick auf Neukunden und Inkrementalität belohnt die Kennzahl genau die falschen Kampagnen. Wenn du wissen willst, wie belastbar die Zahlen in deinem Konto wirklich sind und wo Budget in schöngerechnete Kampagnen fließt, wirf einen Blick auf unseren kostenlosen Account-Check.
